Irgendwann kommt bei den meisten ambitionierten Padel-Spielern der Punkt, an dem der wöchentliche Vereinsabend nicht mehr reicht. Ein offizielles Turnier zu spielen klingt zunächst nach viel Bürokratie, GPS-Kategorien, Lizenzen, RankedIn, dabei ist der Einstieg tatsächlich unkomplizierter, als die Fachbegriffe vermuten lassen. Wir führen dich Schritt für Schritt durch den Prozess.
Zwei Turnierserien: GPS und GPT im Überblick
Deutschland hat zwei parallele, offizielle Turniersysteme mit jeweils eigener Rangliste. Die German Padel Series (GPS) wird vom Deutschen Padel Verband (DPV) organisiert und ist mit rund 1.800 Turnieren in der Saison 2025/26 die deutlich größere Serie, für 2026 werden bereits etwa 3.000 Turniere erwartet. Die German Padel Tour (GPT) wird vom Deutschen Tennis Bund (DTB) veranstaltet und läuft komplett über die Plattform RankedIn.
Wichtig zu wissen: Punkte aus einer Serie zählen nicht für die Rangliste der anderen. Ein GPS 250 und ein GPT 250 sind ähnlich hoch angesetzt, aber völlig getrennte Wettbewerbe. Achte im Turniernamen deshalb immer auf das Kürzel, nicht nur auf die Zahl dahinter.
Was bedeutet die Zahl hinter GPS oder GPT?
Die Zahl ist keine Niveau-Einstufung, sondern die Punktzahl, die das Siegerteam für diesen Turniersieg erhält. Da höhere Punktzahlen entsprechend stärkere Felder anziehen, ist die Zahl trotzdem ein guter Indikator für das zu erwartende Niveau:
- GPS 50: Kompletter Einstieg, spielbar komplett ohne Lizenz, ideal für dein allererstes Turnier
- GPS 100: Für Anfänger ohne Tenniserfahrung mit etwas Matchpraxis
- GPS 250: Für Spieler mit erster Turniererfahrung oder sicherer Grundtechnik
- GPS 350: Fortgeschrittene mit regelmäßiger Turnierpraxis
- GPS 500 bis 1000: Routinierte Spieler mit längerer Wettkampferfahrung
- GPS 1500: Nationale und internationale Spitzenklasse mit Preisgeld
In den unteren vier Kategorien (GPS 50 bis 350) gilt zusätzlich eine Cap-Regel: Die addierten Ranglistenpunkte von dir und deinem Partner dürfen einen Höchstwert nicht überschreiten, damit starke Paarungen nicht in Einsteigerturnieren mitspielen.
Brauchst du eine Lizenz?
Das hängt vom Turniertyp ab. Lockere Club-Turniere, Americanos oder Golden-Court-Events benötigen meist keine Lizenz, das entscheidet der jeweilige Veranstalter. Für offizielle GPS-Turniere ab der Kategorie GPS 100 brauchst du dagegen eine Spielerlizenz des Deutschen Padel Verbands. Die einzige Ausnahme ist GPS 50, diese Kategorie ist bewusst lizenzfrei gestaltet, genau für den allerersten Turnierkontakt.
Der DPV unterscheidet aktuell zwischen einer günstigeren Basislizenz für den Einstieg und einer Volllizenz, die für alle GPS-Turniere sowie das komplette Ligasystem gilt. Die Lizenz gilt jeweils ein Jahr ab Kaufdatum, nicht bis zum Jahresende. Da sich Verbandsgebühren von Saison zu Saison ändern können, lohnt sich vor dem Kauf ein kurzer Blick in die aktuelle Gebührenordnung des Verbands.
So meldest du dich zu deinem ersten Turnier an
Die offiziellen GPS-Turniere werden derzeit überwiegend über die Plattform RankedIn verwaltet, wobei der DPV seine Turniere schrittweise auf ein eigenes DPV-Portal umstellt. Bei der Anmeldung solltest du auf folgende Punkte achten:
- Echte Daten verwenden: Lege deinen Account mit vollständigem Namen und korrektem Geburtsdatum an, Nicknames sind nicht erlaubt.
- Meldeschluss beachten: Für Wochenend-Turniere liegt der Meldeschluss üblicherweise am Montag davor um 22 Uhr.
- First come, first serve bei kleinen Kategorien: Bei GPS 50 bis 250 gilt meist das Windhundprinzip, beliebte Turniere sind oft schnell ausgebucht.
- Auslosung abwarten: Der offizielle Turnierbaum und Zeitplan wird meist am Mittwochabend vor dem Turnier veröffentlicht.
Suche dir außerdem frühzeitig einen zuverlässigen Doppelpartner, viele Turniere erfordern eine feste Anmeldung als Team statt als Einzelperson.
Wie läuft der Turniertag ab?
Die gute Nachricht für dein erstes Turnier: Du fliegst normalerweise nicht nach einer einzigen Niederlage direkt raus. Die meisten Turnierformate sind so aufgebaut, dass jedes Team mindestens zwei Spiele bestreitet, etwa durch Gruppenphasen oder eine Nebenrunde für Erstrunden-Verlierer.
Auf dem Court gelten einige praktische Regeln, die du kennen solltest: Bei den meisten GPS-Turnieren gibt es keinen Schiedsrichter, ihr zählt selbst, im Zweifel gilt Fairness vor allem. Gespielt wird auf zwei Gewinnsätze, bei einem Satz Gleichstand entscheidet meist ein Match-Tiebreak bis zehn Punkte. Beim Stand von 40:40 gibt es keinen Vorteil, sondern den sogenannten Golden Point, das rückschlagende Team darf dabei die Aufschlagseite wählen.
Die richtige Vorbereitung: Technik, Taktik und Packliste
Vor deinem ersten Turnier lohnt es sich, weniger auf spektakuläre neue Schläge zu setzen und stattdessen deine Konstanz zu schärfen. Ein souverän zurückgespielter Ball gewinnt in Turniersituationen häufiger als ein riskanter Schmetterball ins Aus. Der Lob ist dabei dein bester Freund, wenn dich die Gegner an die Grundlinie drängen, hole dir mit einem hohen Ball die Netzposition zurück, statt durchzupressen.
Für deine Turniertasche solltest du einplanen: deinen Schläger und idealerweise einen zweiten als Ersatz, frische Overgrips, ausreichend Wasser, ein Handtuch sowie Wechselkleidung. Komme mindestens 30 Minuten vor deinem angesetzten Match vor Ort, um dich in Ruhe einzuspielen. Mehr zur passenden Schlägerwahl für deinen Spielstil findest du in unserem Ratgeber zu Schlägerformen im Vergleich.